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Preisträger der Dr. Bruno Kreisky Stiftung für Verdienste um die Menschenrechte (1991)

Michael Genner, Obmann von Asyl in Not, ist Preisträger der Österreichischen Liga für Menschenrechte (2011) für besonders couragierte Verdienste zur Umsetzung des Menschenrechts auf Asyl.


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Happy-end für "verwestlichte" afghanische Frau

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Sima war mit ihren Eltern und Brüdern aus Afghanistan in den Iran geflüchtet, wo sie seit Jahren lebten.

Sima hätte sodann einen viel älteren Cousin, der schon zwei Frauen hatte heiraten und zu ihm nach Afghanistan ziehen sollen. Simas Vater wollte es so. Da durfte es keine Widerrede geben. In Afghanistan ist das leider „normal“. Es gehört zu jenen „schädlichen sozialen Bräuchen“, die UNHCR in seine aktuellen Afghanistan-Richtlinien als Asylgründe anführt. Die wenigsten afghanischen Frauen schaffen es, sich diesen „Bräuchen“ zu entziehen.

 

 
Sima hat es aber geschafft. Sie hat sich dem Willen ihres Vaters (und ihrer gewalttätigen Brüder) widersetzt.
 
Sie hatte nämlich Farhad, einen netten, nahezu gleichaltrigen Mann, kennen gelernt und sich für ihn entschieden. Ihre Mutter unterstützte sie bei dieser Entscheidung. Sima wurde von ihrem Vater und ihren Brüdern geschlagen, gegen eine Scheibe geworfen, die Schnittspuren am Arm sieht man heute noch. Sima flüchtete mit Farhad. Ihr Versteck wurde aber von ihren Brüdern aufgespürt, die Farhad dort auflauerten und ihn zusammenschlugen.
 
Farhad kam schwer verletzt ins Krankenhaus und wurde dort auch noch als „illegaler“ Afghane von der Polizei verhaftet und nach Afghanistan abgeschoben. Mit Glück und Bestechung gelang es ihm in den Iran zurückzukehren. Sima hatte unterdessen eine Fehlgeburt.
 
Sima und Farhad lebten dann zunächst weiter versteckt in Teheran, in ständiger Gefahr, entdeckt zu werden. In dieser Zeit brachte Sima zwei Kinder zur Welt. Als sie genug Geld zusammengekratzt hatten für die Weiterflucht und die Grenzen nach Europa im Herbst 2015 offen waren, flüchteten sie sodann aus dem Iran nach Österreich. Ihr Asylantrag wurde in erster Instanz abgewiesen.
 
Mein Kollege Roman Dietinger verfaßte einen umfassenden Schriftsatz und ich begleitete sie sodann zur Beschwerdeverhandlung vor dem BVwG (Richterin Brigitte Habermeyer-Binder) am 20. Februar 2019. Aus dem mündlich verkündeten Erkenntnis (W136 2186696-1/11Z, W136 2186714-1/11Z:
 
„Bei der Erstbeschwerdeführerin handelt es sich um eine auf Eigenständigkeit bedachte Frau, die in ihrer persönlichen Wertehaltung und in ihrer Lebensweise an dem in Europa mehrheitlich gelebten, allgemein als 'westlich' bezeichneten Frauen- und Gesellschaftsbild orientiert ist. Das ergibt sich aus ihren glaubhaften Angaben in der mündlichen Verhandlung und dem von ihr durch die erkennende Richterin gewonnenen persönlichen  Eindruck.
 
„Bei der Erstbeschwerdeführerin liegt das Verfolgungsrisiko in ihrer Zugehörigkeit zur sozialen Gruppe der am westlichen Frauen- und Gesellschaftsbild orientierten afghanischen Frauen. Es ist auf Grund der in das Verfahren eingeführten Länderberichte (v.a. aus den UNHCR-Richtlinien zu Feststellung des internationalen Schutzbedarfs afghanischer Asylsuchender vom 30.08.2018 zur Situation von Frauen in Afghanistan) zu prognostizieren, dass sie im Falle ihrer Rückkehr nach Afghanistan als westlich orientierte Frau mit hoher Wahrscheinlichkeit Eingriffen von erheblicher Intensität ausgesetzt sein wird.“
 
„Die Erst-BF hat sich bereits im Iran geweigert, jenen männlichen Verwandten, der von ihrem Vater für sie als Ehemann ausgesucht wurde, zu heiraten. Einen westlich orientierten Lebensstil hat sie seit ihrem Aufenthalt in Österreich  verstärkt angenommen. (…)
 
„Es kann von ihr nicht erwartet werden, dieses Verhalten in Afghanistan zu unterdrücken oder überhaupt abzulegen, um dort nicht physischer und/oder psychischer Gewalt ausgesetzt zu sein.“

 
Sima erhielt Asyl, ihr Mann und die Kinder als Familienangehörige ebenso. Wir wünschen ihnen für die Zukunft viel Glück!

Michael Genner
Obmann von Asyl in Not
5. April 2019

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