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Preisträger der Dr. Bruno Kreisky Stiftung für Verdienste um die Menschenrechte (1991)

Michael Genner, Obmann von Asyl in Not, ist Preisträger der Österreichischen Liga für Menschenrechte (2011) für besonders couragierte Verdienste zur Umsetzung des Menschenrechts auf Asyl.


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Hundert Jahre danach

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Jeder kehre vor seiner Tür

Jeder kehre vor seiner Tür
 
Vor hundert Jahren hat Österreich einen Krieg angefangen. Nein, natürlich nicht Österreich allein. Aber doch nicht unmaßgeblich. Und es war auch kein kleiner Krieg; er hat die Welt in Brand gesteckt. Aber hierzulande gibt es immer noch Narren, die der guten alten Zeit nachtrauern, verkörpert vom alten Herrn in Schönbrunn, einem senilen Massenmörder. Zehn Millionenen Menschen starben in dem von ihm und anderen ausgelösten Krieg.
 
Die Lüge von der guten alten Zeit (in der Millionen Menschen hungerten und ausgebeutet wurden) ist genauso verlogen wie die vom „ersten Opfer“ der Nazis, das Österreich angeblich war.
 
Schuld am Krieg waren alle imperialistischen Mächte jener Zeit. Die Regierungen, die Generäle. Aber vor allem: das globale Kapital.
 
Ja, es war eine Zeit der Globalisierung vorangegangen. England und Frankreich hatten einen großen Teil Afrikas unter sich aufgeteilt und viel Blut vergossen dabei. Der belgische König hatte sich die Rohstoffe des Kongo unter den Nagel gerissen und dafür Millionen Menschen massakriert.
 
Deutschland, eine jüngere, eben erst zur „Nation“ geeinte imperialistische Macht, strebte nach einem Platz an der Sonne und besetzte die letzten noch freien Flecken Afrikas. Und verübte an den  freiheitsliebenden Hereros in Namibia den ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts.
 
Österreich war von diesen Verteilungskämpfen im weit entfernten Afrika ausgeschlossen. Es hatte aber ein koloniales Hinterland auf dem europäischen Kontinent: den Balkan.
 
Dabei hätte Österreich auch ohne diesen Hinterhof ganz gut leben können. Nur – da gab es einen Partner, der hatte großes Interesse an dieser Region. Für den war Südosteuropa ein strategisches Durchzugsgebiet. Sein eigentliches Ziel lag weiter weg. Er wollte über den Balkan und durch die Türkei zu den Ölquellen am Persischen Golf.
 
Man liest jetzt manchmal, die damals verantwortlichen Politiker und Strategen seien wie Schlafwandler in den Krieg geschlittert. Was im Einzelfall ja stimmen mag. Das Wort „Deutsche Bank“ kommt in diesen Publikationen nur selten bis gar nicht vor. So schwindelt man sich über konkrete Benennungen und strategische Interessen hinweg, die seit Jahrzehnten auf Eroberung und Krieg aus waren.
 
Die Deutsche Bank war so alt wie das zweite Deutsche Reich. Gegründet 1870, im Jahr der deutschen Einigung unter Bismarck, im Ursprungsjahr des deutschen Imperialismus. Hauptgründer der Bank war Georg von Siemens, und damit ist schon viel gesagt. Diese Bank verfügte über die Kontrolle großer Teile der deutschen Industrie, insbesondere der Rüstungsindustrie.
 
So war sie im Aufsichtsrat von Mannesmann vertreten und besaß dort Aktien in hohem Wert; sie war auch die Hausbank von Krupp; später finanzierte sie die Gründung der AEG. Um nur ein paar Beispiele zu nennen. Die enge Verbindung von Finanzkapital und Industrie bestimmte die Geschäftspolitik der Deutschen Bank.
 
„In Deutschland“, schrieb Rosa Luxemburg in der „Junius-Broschüre“, „konnte das Aufkommen des Imperialismus, auf kürzeste Zeitspanne zusammengedrängt, in Reinkultur beobachtet werden. (…) Die stärkste Kartellentwicklung Europas und die größte Ausbildung und Konzentration des Bankwesens in der ganzen Welt. Jene hat die Schwerindustrie, d.h. den an militärischen Rüstungen und an imperialistischen Unternehmungen (Eisenbahnbau, Ausbeutung von Erzlagern) unmittelbar interessierten Kapitalzweig zum einflußreichsten Faktor im Staat organisiert. Dieses hat das Finanzkapital zu einer geschlossenen Macht von größer, stets gespannter Energie zusammengepreßt, die (…) ihrer ganzen Anlage nach auf die Weltbühne als den Schauplatz ihrer Taten zugeschnitten war.“
 
(Rosa Luxemburg, „Die Krise der Sozialdemokratie“)
 
Zu den Erdölexperten der Deutschen Bank gehörte seit 1898 Emil Georg von Stauß, ein „politischer Bankier“, „dessen ideologische Einstellung schon, lange ehe der Nationalsozialismus aus der Taufe gehoben wurde, auf einen extremen Nationalismus und Militarismus hinauslief.“  Später sollte er zu den führenden Wegbereitern Hitlers gehören. Aber er hatte auch schon zur Genüge am Ausbruch des Ersten Weltkriegs mitgewirkt.
 
(OMGUS, Office of Military Government for Germany“: „Ermittlungen gegen die Deutsche Bank“, 1946/47, S. 45).
 
Die Deutsche Bank war aber vor allem auch die treibende Kraft der deutschen Südoststrategie. Zu ihren größten Projekten gehörte die Finanzierung der Bagdad-Bahn. Zehntausende türkische Bauern fielen dem Projekt zum Opfer; der türkische Staat wurde zum Schuldner von Siemens und Kompanie.
 
Kurt Riezler, Berater des deutschen Reichskanzlers Bethmann-Hollweg, formulierte Deutschlands Kriegsziele so:
 
„Mein neues Europa, d.h. die europäische Verbrämung unseres Machtwillens (…). Das mitteleuropäische Reich deutscher Nation. Das bei Aktiengesellschaften übliche Schachtelsystem, das Deutsche Reich eine AG mit preußischer Aktienmajorität…, um das Reich herum einen Staatenbund, in dem das Reich die Majorität hat. (…) Dann Österreich so behandeln, daß es von selbst hineinwächst. Man braucht gar nicht von Anschluss an die Centralmacht zu reden. Der europäische Gedanke führt ganz alleine zu solcher Konsequenz.“
 
(Norbert Schausberger, „Der Griff nach Österreich“, S. 19).
 
Dieses Mitteleuropa, denn mit geographischen Begriffen nahm man es im Zeitalter des Imperialismus nicht so genau, sollte von Hamburg bis Basra reichen, von der Nordsee zum Öl am Golf…
 
Die Deutsche Bank und Krupp machten einträgliche Geschäfte, zugleich drillten deutsche Instruktoren  die türkische Armee. So wurde, wie Rosa Luxemburg schrieb, „der türkische Militarismus zur Dependenz des preußisch-deutschen Militarismus, zum Stützpunkt der deutschen Politik im Mittelmeer und in Kleinasien.“
 
Blöd nur, daß der Balkan dazwischen lag, mit neuen Staaten (Serbien zum Beispiel), die sich von der osmanischen Herrschaft befreit hatten und sie nicht gegen die österreichische tauschen wollten.
 
Der Weg zum Krieg war daher programmiert, vorübergehende „Schwächen“ einzelner Monarchen waren rasch überwunden, am 6. Juli 1914 versicherte der deutsche Kaiser Wilhelm dem Kriegsindustriellen Gustav Krupp: „Diesmal falle ich nicht um.“ (zitiert aus Christopher Clark, "Die Schlafwandler", S. 667).
 
Österreich, dem deutschen Imperialismus verbunden auf Gedeih und Verderb, spielte seine Rolle bis zum bitteren Ende. Mögen daher Franzosen und Engländer von ihrem Anteil an der Kriegsschuld reden; wir in Österreich sollten vor unserer Türe kehren.
 
Österreich hatte 1908 Bosnien und Herzegowina annektiert; 1912 war Erzherzog Franz Ferdinand nach Berlin gereist, um Kaiser Wilhelm für einen Präventivschlag gegen Serbien zu gewinnen… Wilhelm hatte ihm damals versichert, er würde sich „nicht einmal vor einem Weltkrieg fürchten“. Damals hatte sich aber noch einmal der zivile Teil der deutschen Reichsleitung durchgesetzt. (Alma Hannig, "Franz Ferdinand", S. 179 ff.)
 
Aber war der Krieg überhaupt vermeidbar? Und was wäre gewesen, wenn? Wäre Franz Ferdinand 1914 nicht nach Sarajewo gereist… Krupp und die Deutsche Bank (und Ihresgleichen in den anderen imperialistischen Staaten) hätten einen anderen Vorwand gefunden. Denn der Krieg war von langer Hand geplant.
 
Aber gab es wirklich keine Kraft, die den Krieg verhindern, dem Wahnsinn Einhalt gebieten konnte? Aber ja, natürlich! Eine solche Kraft hätte es schon gegeben. Aber sie hat kläglich versagt. Heute vor hundert Jahren, am 4. August 1914, stimmte die SPD den Kriegskrediten zu. Mehr dazu ein anderes Mal.
 
Michael Genner
Obmann von Asyl in Not
4. August 2014
 
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Literatur:
 
OMGUS, Office of Military Government for  Germany, United States“: „Ermittlungen gegen die Deutsche Bank“, 1946/47;
Rosa Luxemburg, „Die Krise der Sozialdemokratie“ („Junius-Broschüre“), 1915;
Norbert Schausberger, „Der Griff nach Österreich“, 1978;
Christopher Clark, „Die Schlafwandler“, 2013;
Alma Hannig, „Franz Ferdinand“, 2013.
 
 

 
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