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Preisträger der Dr. Bruno Kreisky Stiftung für Verdienste um die Menschenrechte (1991)

Michael Genner, Obmann von Asyl in Not, ist Preisträger der Österreichischen Liga für Menschenrechte (2011) für besonders couragierte Verdienste zur Umsetzung des Menschenrechts auf Asyl.


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Menschenrechte und Islam

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zweiter Teil

Hatun war 23, als sie starb. In Berlin, wo sie aufgewachsen war. Sie hatte ihre Familie „entehrt“. Ihre Familie stammte aus der Türkei. Man warf Hatun vor, dass sie leben wollte „wie eine Deutsche“. Ihren Mann hatte sie verlassen, den die Eltern für sie ausgesucht hatten. So undankbar war Hatun.

Koran, 4. Sure („Die Frauen“):
„Wenn eure Frauen sich durch Unzucht vergehen und vier Zeugen aus eurer Mitte bezeugen dies, dann sperrt sie in eurem Haus ein, bis der Tod sie befreit oder Gott ihnen sonst einen Versöhnungsweg zeigt. (…) Aber keine Versöhnung wird denen gewährt, welche Böses tun, bis der Tod ihnen naht.“

Hatuns Brüder missbilligten ihren Lebenswandel. „Ich ficke, mit wem ich will“, soll sie gesagt haben. Hatun war unverbesserlich. Ihre Brüder erschossen sie in Berlin.

Koran, 4. Sure („Die Frauen“):
„Männer sollen vor ihren Frauen bevorzugt werden, weil sie für diese verantwortlich sind. Rechtschaffene Frauen sollen gehorsam, treu und verschwiegen sein, damit auch Gott sie beschütze. Denjenigen Frauen aber, von denen ihr fürchtet, dass sie euch durch ihr Betragen erzürnen, gebt Verweise, enthaltet euch ihrer, sperrt sie in ihre Zimmer und straft sie.“ (Andere Übersetzungen: „Züchtigt sie“.)

Layal war 20 Jahre alt, Flüchtling aus dem Libanon und lebte in Tirol. Angeblich hatte sie „Männerbekanntschaften“. Auch sie hat die „Ehre“ ihrer Familie „befleckt“. Weder Worte noch Schläge konnten sie bessern.

Koran, 24. Sure („Das Licht“):
„Wenn eine Frau und ein Mann Unzucht begehen, dann peitscht sie mit hundert Hieben. Laßt euch nicht, diesem Urteil Gottes zuwider, vom Mitleid mit ihnen verführen, wenn ihr an Gott und den jüngsten Tag glaubt. Einige Muslime sollen ihre Bestrafung bezeugen.“

Layal hatte einen Tag im Polizeigefängnis zugebracht. Freiwillig! Um dort Schutz zu finden. Ihre letzte Nacht verbrachte sie dann bei einem bekannten Ehepaar. Bis die Eltern und einer der Brüder kamen, um sie abzuholen. Sie redeten ihr vernünftig zu. Und auch dem befreundeten Ehepaar. Layal werde nichts geschehen. Ganz sicher nicht.

Koran, Sure 17 („Die Nachtreise“):
„Enthaltet euch der Unzucht! Sie ist ein großes Laster und führt auf schlimme Wege. Aber tötet keinen Menschen - außer wenn die Gerechtigkeit es fordert.“

Kaum war Layal in der Wohnung ihrer Familie angelangt, schlugen sie sie zusammen. Einer der Brüder (welcher, weiß man nicht so genau) führte sie im Auto auf einen Waldweg und erstach sie dort. Die Leiche warf er in den Inn.

„Hadith“ (Überlieferungen über Taten und Aussprüche Mohammeds, auch „Sunna“, gesammelt und herausgegeben im 9.Jahrhundert u.Z. von Sahih al-Buchari):

Kapitel II., 11: „Der Prophet erzählte: ‚Die Hölle wurde mir gezeigt. Und die Mehrzahl ihrer Bewohner waren Frauen.’“

Kapitel XXXVII: „Die gesetzlichen Strafen.“
8. „Die Steinigung von Ehebrechern. An einem Freitag steinigte Ali eine Frau. Er sagte: ‚Ich habe sie gesteinigt, wie der Gesandte Gottes es in vergleichbaren Fällen getan hat.’“ (Ali war der 4. Kalif, Mohammeds Mitkämpfer und Schwiegersohn.

9. „Ein Mann ging zum Gesandten Gottes in die Moschee und sagte zu ihm: ‚Ich habe Ehebruch begangen!’ Der Prophet wandte sich ab. Der Mann wiederholte seine Selbstbeschuldigung viermal. (…) Da rief der Prophet einige Leute zu sich und befahl: ‚Geht mit diesem Mann hinaus und steinigt ihn.’ (…) Ich war einer von denen, die das Urteil vollstreckten. Wir gingen mit ihm hinaus zum Gebetsplatz. Als wir mit der Steinigung begannen, floh er. Wir verfolgten ihn und konnten ihn wieder ergreifen. Dann steinigten wir ihn.“

12. „(…) Der Gesandte Gottes befahl, die beiden Ehebrecher zu steinigen. Ich war bei der Urteilvollstreckung dabei. Der Mann warf sich vor die Frau, um sie vor den Steinen zu schützen.“

Hatun war eine junge Frau aus Berlin und aus der Türkei. Sie wollte leben. Nach ihrem eigenen Gesetz. „Ich ficke, mit wem ich will,“ hat sie angeblich gesagt. „Das war zu viel für mich“, soll einer ihrer Brüder gestanden haben. „Ich zog die Pistole und schoß.“

Manche behaupten: Ehrenmorde hätten nichts zu tun mit dem Islam. Viele gläubige Musliminnen und Muslime verurteilen diese Verbrechen. Auch die Glaubensgemeinschaft distanziert sich davon. Quadratur des Kreises? Oder – Licht am Ende des Tunnels? Nichts verändert sich ohne Druck – von innen und von außen. Keine Reform – ohne politische Aktion.

Michael Genner, Asyl in Not

Währingerstraße 59
1090 Wien

Tel. 408 42 10-15, 0676 – 63 64 371
www.asyl-in-not.org

 

 Quellen:

  Necla Kelek, „Anwälte einer Inszenierung“, ZEIT online, 17.9.2005 (www.zeit.de/online/2005/38/prozess?page-all)

Serap Cileli, „Ein Schrei gegen das Morden“, „Ex oriente lux“, 9.4.2004 (www.ex-oriente-lux.de/forum/archiv_message.php?forum_id)

„In den Fängen einer türkischen Familie“, SZ, 26.2.2005

Seyran Ates, „Islamische Frauen fürchten Nachahmer-Effekte“, „Die Welt“, 16.2.2005 (www.welt.de/data/2005/02/16)

„Rechtsanwältin mit Courage“ – Die Rechtsanwältin Seyran Ates engagiert sich für Frauen aus muslimischen Ländern, „WIR. Magazin für die Ehemaligen der FU Berlin“, www.morgenwelt.de/595.html

„Das ist Verzweiflung. Die Berliner Rechtsanwältin Seyran Ates über den Kopftuchstreit und den freien Willen der Frau“, „Berliner Zeitung“, 2.6.2004

„Multikulti ist verantwortungslos“, Interview von Jan Feddersen mit Seyran Ates, TAZ, 28.2.2005

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