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Schwer Traumatisierter war in Schubhaft !

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Asyl in Not hat ihn mit Hilfe des UBAS befreit.

Aber: jeden Tag finden neue Treibjagden statt.

„Herr O. leidet an einer hochgradigen post-traumatischen Belastungsstörung (ICD10: F43.1) zu Folge serieller Traumatisierung.“

 So steht es im Befund eines bekannten österreichischen Psychotherapeuten, der Herrn O. (einen Flüchtling aus Tschetschenien) im Auftrag von HEMAYAT (Verein zur Betreuung von Folteropfern) untersuchte.
 
Herr O. war Polizeikommandant. Er hat 72 seiner Kollegen begraben. Als man ihn abholen wollte, versteckte er sich, seinen Bruder haben sie statt ihm vor den Augen der Mutter umgebracht. O.’s Frau wurde mit dem Gewehrkolben geschlagen und schwer verletzt.
 
Zu den Symptomen, an denen O. leidet, zählen Erinnerungsanflutungen, schmerzhafte Bilder, Albträume; in der Straßenbahn vergisst er oft auf das Aussteigen. Genauer kann er nicht darüber reden; aber er hat seine von den Soldaten zerstückelten Mitkämpfer in Kübel eingesammelt und zu ihren Eltern gebracht.
 
Herr O. hat den Tod gesucht; als er mit seinen Leuten umzingelt war, ist er als erster vorgegangen, aber er hat überlebt. Er leidet an schwerer Überlebensschuld: So viele gute Männer sind statt ihm gestorben, umgekehrt wäre es besser gewesen, den Kindern der Toten konnte er nicht mehr in die Augen schauen. So berichtete er dem Psychologen. Eben erst hat er erfahren, daß der letzte seiner Truppe, erst 18 Jahre alt, ermordet wurde.
 
Herr O. ist mit den Nerven am Ende, er kann fast nicht schlafen, er hat Schmerzen im Kopf und in der Brust. Weinen, um sich zu erleichtern, konnte er nie; nicht einmal als sein Vater vor seinen Augen ermordet wurde.
 
All das sind typische Symptome einer schweren Traumatisierung. Aber – die Amtsärztin in Traiskirchen hat bei Herrn O. keine krankheitswertige Störung festgestellt... Wahrscheinlich hat er ihr auch nichts von all dem erzählt. Warum sollte er zu ihr Vertrauen haben – im Abschiebelager, wo die Sicherheitskräfte mit Pistolen und Polizeihunden patrouillieren?
 
Das Bundesasylamt (Erstabschiebestelle Ost) wies O.’s Asylantrag wegen angeblicher Zuständigkeit Polens zurück. In Polen aber war O. russischen Agenten begegnet, die nach ihm suchten. Deshalb war er nach Österreich weiter geflüchtet: Polen ist für ihn kein sicherer Dublin-Staat. Daher habe ich für ihn eine Berufung an den Unabhängigen Bundesasylsenat eingebracht.
 
Wenige Tage nach seinem Besuch beim Psychotherapeuten, der die Diagnose einer schweren posttraumatischen Störung stellte, wurde O. in Traiskirchen verhaftet und ins Polizeigefängnis Hernalser Gürtel in Wien gebracht.
 
Der Schubhaftbescheid stützt sich auf das neue Fremdenpolizeigesetz, obwohl O. den Asylantrag noch im Vorjahr gestellt hat, sodaß auf ihn die alte Rechtslage anzuwenden ist.
 
Auch ohne Fachmann zu sein, weiß ich (und versteht jeder Mensch guten Willens), daß Gefängnis für einen Menschen, der so viel mitgemacht hat wie Herr O., nicht eingesperrt werden darf, daß die Haft eine Retraumatisierung hervorruft, daß er haftunfähig ist, daß die Schubhaft ein Akt der unmenschlichen Behandlung, der Folter, somit ein Verstoß gegen die Europäische Menschenrechtskonvention (Artikel 3) und gegen die österreichische Verfassung ist.
 
Ich erhielt das HEMAYAT-Gutachten gleich, nachdem O. verhaftet worden war, und schickte es sofort mit einem Begleittext an das zuständige UBAS-Mitglied, Frau Dr. Schnizer-Blaschka, die den skandalösen Bescheid in kurzer Zeit behob.
 
Ist also noch einmal gut gegangen, dank dem Zusammenspiel zivilgesellschaftlicher und rechtsstaatlicher Institutionen. Herr O. musste „nur“ ein paar Tage im Gefängnis verbringen; für gesundheitliche Schäden, die er möglicherweise davontrug, werden wir Frau Prokop und ihre Schergen zur Rechenschaft ziehen.
 
 „Asylstraße“ – die Falle
 
Noch einmal gut gegangen – aber jeden Tag verschwinden Menschen in Traiskirchen in unbekannter Zahl. Das gilt für alle, die nach 1. Jänner gekommen sind und in „Dublin-Staaten“ ihre Fingerprints hinterlassen haben. Sie gehen nichtsahnend in die sogenannte „Asylstraße“ (so heißt das allen Ernstes) in Traiskirchen: Formular ausfüllen – Dokumente abgeben – Fingerprints... Das sind die Stationen. Dann klicken die Handschellen. Aus der Falle „Asylstraße“ kommt keiner heraus.
 
Gestern, höre ich ein junges Paar, die Frau im neunten Monat schwanger... Das ist Prokopland, am Beginn der EU-Präsidentschaft, „Wir sind Präsident“, oder wie heißt das? Und wo bleibt der Protest der großen Organisationen? Schweigen im Wald.
 
Asyl in Not schließt mit dem Unrecht keinen Frieden. Dieses Gesetz muß fallen, diese Regierung muß stürzen, die Menschenrechte müssen wieder gelten in diesem Land.
 
Michael Genner
Asyl in Not
 
Währingerstraße 59
1090 Wien
Tel.: 408 42 10-15, 0676 – 63 64 371
 

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Asyl in Not.
 
 
 
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