"Unsere Grenzen verlaufen quer durch Wien"

Die Rede unserer Geschäftsführerin, Kübra Atasoy, auf der gestrigen Demo am Platz der Menschenrechte!

"Öffnet sie, eure Grenzen,

Denn sie sind eure Grenzen, nicht unsere.

Unsere Grenzen verlaufen bereits quer durch Wien.

Zwischen der ersten Schnellbahn, die die Arbeiter*innen mitten in der Nacht in die Arbeit bringt und der sog. Business-Rush Hour um 9 Uhr.
Zwischen den vollgefüllten Kaffeehäusern Montag morgens, in denen die Office-Leute sitzen und den Schlangen beim AMS. Oder bei der MA40.

Unsere Grenzen verlaufen in Wien zwischen dem Praterstern und der Josefstädter Straße,
wo wir nicht laufen können, ohne von Rassisten und Sexisten in Uniform belästigt zu werden.
Wo unsere Freunde und unsere Genoss*innen, angehalten, durchsucht, erniedrigt, perlustriert und im schlimmsten Fall dann mitgenommen werden, wenn sie die falschen Papiere haben.

Unsere Grenzen verlaufen zwischen der Anklage- und der Richterbank,
in einem Land, in dem die Menschenrechte Tag für Tag gebrochen werden.

In dem Schwarze Menschen für 1 Gramm verurteilt und dann abgeschoben werden,
aber der radfahrende Student, mit 3 G noch verständnisvoll belächelt und einer väterlichen Warnung nach Hause geschickt wird.

In dem Folterüberlebende in ihren Einvernahmen ausgelacht werden.
In dem Land, in dem es gute Tradition ist, dass Jugendämter Migrant_innen die Kinder wegnehmen.

Ein Land, wo Frauen*morde immer noch als Eifersuchtsdrama bezeichnet werden, wenn sie weiß sind,
unsichtbar bleiben, wenn sie bürgerlich sind und Ehrenmord heißen, wenn sie fremd sind.

No Justice - No Peace in diesem Land

Wo “Ausländer” keinen Grund erwerben können, aber Nazis Waffen.

Wo wir von Rechten aller Couleur, Konservativen aller Couleur und Islamisten bedroht werden
und trotzdem keiner das Maul aufmacht,
wo auch donnerstags mit Nationalist*innen “demonstriert” wurde.
Wo Beamte sich zurückmorphen in ihre ursprüngliche Gestalt, die ihr vergraben hattet, um sie zur rechten Zeit wieder auszugraben.

Wir stehen hier, weil auch die so genannte “flüchtlingsfreundliche Politik” falsch war und ist, denn sie galt nicht allen.
Wir stehen hier, weil ihr gefordert habt “Abschiebestopp für Lehrlinge” statt für alle.
Weil gefordert wurde, Familien nicht abzuschieben statt Bleiberecht für alle.
Weil ihr immer noch von Integration redet, während hier längst Feuer am Dach ist.

Eure Forderungen sind so leer wie eure Herzen.

Fordert die Enteignung der Waffenproduzenten!
Die Enteignung derer, die vom Handel mit dem türkischen Regime profitieren!

Enteignet Glock, Rosenberger, Andritz! General Dynamics und Steyr!
Enteignet jene, die in Libyen mit Sklaverei Geld verdienen.
Enteignet die, die sich mit dieser Regierung dumm und dämlich verdienen.

Stellt euch hinter uns, denn nur so wird sich etwas ändern!
Seid mutig genug , auch für herausfordernde Forderungen.

Geht mit uns oder geht endlich aus dem Weg."

 

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